Den Morgen hatten Anna und Sina wie versprochen im Pfarrhaus zugebracht. Sie sangen Weihnachtslieder und wischten Staub, drehten Pater Andreas Stereoanlage bis zum Anschlag auf und schwangen die Putzlappen. Um elf Uhr waren sie damit fertig und weihten den Pater noch in die verschiedenen Geheimnisse des Haushalts ein. Pater Andreas war zufrieden und konnte ohne Nervosität seine Mutter erwarten.
Die Generalprobe verlief ohne größere Probleme. Die Kinder waren allesamt aufgeregt und vertaten sich manchmal mit den Einsätzen. Trotzdem war die Atmosphäre friedlich und ohne Spannung.
Endlich war es so weit. Die Kirche war geschmückt und alle Requisiten standen bereit. Die Kinder huschten aufgeregt von einer in die andere Ecke und Anna und Carolin hatten zu tun, bis Ruhe einkehrte.
Pater Andreas zog mit seinen Ministranten in die übervolle Kirche ein. Er eröffnete den Gottesdienst mit einem feierlichen Gebet und begrüßte seine Gemeinde.
Dann stand Anna auf und stellte sich auf die rechte Seite der Kirche. Sie öffnete den Ordner und begann zu lesen:
Eine Stadt zu besuchen heißt, ihre Sehenswürdigkeiten, die Geburtsstätten großer Meister, die Brennpunkte der Geschichte in Augenschein zu nehmen und sich darüber zu freuen, auf diesem Weg an den großen Dingen der Welt teilgenommen zu haben. Wer eine Stadt nach längerem oder kurzem Aufenthalt wieder verlässt, denkt gern an die Abende in der Oper, an die Spaziergänge durch die Einkaufsviertel oder an das stille Verharren in einer der künstlerisch wertvollen Kirchen zurück. Und jeder, der sich einmal in Berlin aufgehalten hat, wird zuerst vom Ku'damm schwärmen, jener Prachtstraße, auf der schon Kaiser und Könige zu Pferd oder im Wagen promenierten.
Nur wenn das Jahr sich zu Ende neigt, die Festtage vor der Tür stehen und das Geschäft des Jahres die Kaufleute an den erfolgreichen Jahresabschluss denken lässt, verringert sich die Anzahl der Touristen erheblich. Denn jeder möchte zu Hause unter seinem Weihnachtsbaum sitzen und sein "O Du Fröhliche" singen.
So ähnlich war es auch am 24. Dezember. Der Winter hatte früh begonnen und die ersehnte weiße Weihnacht stand vor der Tür. Es schneite schon seit vielen Stunden, die Räumdienste säuberten nur noch die Hauptstraßen, die zu den Hauptkirchen führten. Der Ku'damm war taghell erleuchtet. Ein blendendes Schaufenster reihte sich ans andere, Lichterketten säumten die Straßen und versuchten, den Stern von Bethlehem zu ersetzen. Wie in einer Allee stand Weihnachtsbaum an Weihnachtsbaum. Sie waren mit elektrischen Lämpchen übersät und ließen keinen Zweifel daran, dass das Christkind erwartet wurde.“
Sieben kleine Weihnachtsbäume spazierten durch den Mittelgang und postierten sich auf der linken Seite zu einer Allee. Sie trugen Kerzen in ihren Händen und die Gesichter der Kinder sahen feierlich aus.
Anna las weiter:
„In der Nähe des großen Kaufhauses waren die geschmückten Weihnachtsbäume in Form eines Sterns aufgebaut. In der Mitte standen die größten und außen die kleinen, deren Geäst sich mit denen der großen Brüder verflochten. „
Die Weihnachtsbäume formten sich zu einem Stern.
Anna:
„Mit einem Mal gingen sämtliche Lichter aus. Aber das störte niemanden mehr. Auf die paar Kilowatt Helligkeit kam es nicht mehr an.“
Die Weihnachtsbäume bliesen ihre Kerzen aus und nur noch ein kleiner Schimmer von Licht war zu sehen.
"Jetzt aber schnell, raus mit ihm und nix wie weg!" flüsterte Sebastian so laut, dass es auch der letzte in der Kirche noch hören konnte.
Ein kleiner Baum bewegte sich mitsamt seinen Beleuchtungskörpern zur Mitte des Altarraumes.
Vier Kinder trugen große Wände, auf denen Häuser abgebildet waren, an dem Baum vorbei.
Anna:
„Langsam wanderte der Weihnachtsbaum die Straße entlang. Sobald sich ein Fußgänger näherte, blieb er stehen. Dann stand er so da als stände er schon immer so da. Mit der Zeit bewegte er sich schneller und schneller. Beim Eingang zur U-Bahnstation machte er eine Rechtswendung und wackelte die ausgeschaltete Rolltreppe hinunter. In der kalten Luft blieb nur der weiße Atem von Schwerarbeitenden zurück.“
Zwei größere Kinder spazierten durch den Kirchenraum. Sofort blieb der Baum stehen und die Kinder bewunderten ihn ausgiebig. Von der linken Seite war ein Kichern zu hören. Dann kamen zwei schwer atmende Jugendliche mit einer neuen Wand, aus der ein U-Bahn-Einstiegsloch ausgesägt war. Darin verschwand jetzt der wandelnde Baum.
Anna:
„Die U-Bahn lief ein. Fünf Jungs nahmen den Weihnachtsbaum wie eine Lanze und zerrten ihn in den Waggon.“
Mit großer Behändigkeit wechselten die Kinder wieder die Kulissen. Man sah jetzt zwei gegenüberliegende Sitzbänke, auf der sich fünf Jungs mit dem Baum niedergelassen hatten und schwer schnauften.
"Geschafft!" meinte Döner (Valentin) keuchend. "Ging ja alles glatt."
"Hm, wir haben noch 'ne halbe Stunde Fahrt. Die Bullen drücken sich jetzt zum Glück auch lieber in den Kneipen rum, wo's warm ist", meinte Matze (Hans-Peter).
"'s KdW kann froh sein, dass wir uns den Baum für heute ausgeliehen haben. Den müssen sie schon nicht entsorgen. Und wir tun ein gutes Werk für die Botanik."
"Alles klar, Doktor?" näselte Dino (Timo) und klopfte dem Chef der Bande auf die Schulter.
"Verdammt, da vorn kommt Stasi, der Fahrkartenkontrolleur", zischte Winky (Lars). "Wir müssen raus!"
"Quatsch, wofür habt ihr einen Chef?" meinte Doktor (Genoveva) grinsend. "Wollte heute Abend nichts riskieren und hab' fünf Streifen organisiert."
Der Kontrolleur (Pater Andreas) machte unwirsch seine Runde. Beim Anblick der Gruppe stellte er sich auf eine Auseinandersetzung ein. Als Doktor ihm lässig die Karten entgegenstreckte, verschlug es ihm die Sprache, und er machte brav seine Stempel.
"Frohe Weihnacht!" grüßte Doktor und steckte die Karten weg. "Noch lange Dienst?"
"Nee, letzte Tour. Eigentlich ist es nicht gestattet, so große Gegenstände in der U-Bahn zu befördern. Aber heute drücke ich mal beide Augen zu."
Er schlurfte weiter.
Anna:
„An der Endstation verließen die Jungs die U-Bahn und schleppten den Baum noch zwei Straßen weiter. Auf ein Klopfzeichen öffnete sich ihnen die Tür zu einem völlig heruntergekommenen Haus. Sie huschten hinein, und die Tür schloss sich wieder.“
Szenenwechsel (in Windeseile räumten die größten die U-Bahn-Bänke weg und schleppten ein neues Bild heran, das eine Wand darstellte und eine ausgesägte Tür enthielt)
"Super, der is' genau richtig!" rief eine Mädchenstimme (Anja) hinter der Wand.
Anna: „Mit vereinten Kräften schleppten sie den Baum in den Keller.“
Alle verschwanden in dem Loch und der Küster schaltete die Beleuchtung der gesamten Kirche aus.
Wieder war Bewegung in der Kirche zu hören. Das Licht ging wider langsam an und man konnte einen neuen Raum betrachten. Auf dem Boden lagen jetzt Matratzen und Holzkisten herum.
Doktor: "Wo is' Edison? Die Kabel müssen geflickt werden."
Jenny (Yvonne): "Kommt gleich, wollte noch 'ne Heizplatte besorgen für den Punsch."
Anna: „Der Keller war sehr geräumig und diente als Wohnzimmer, Schlafsaal und Küche für fast zwanzig Jugendliche. Sie wohnten seit dem Sommer hier, unbehelligt von Jugendamt und Polizei. Wo sie herkamen, fragte keiner mehr nach ihnen. Was aus ihnen werden würde, würde vielleicht irgendwann einmal in der Zeitung stehen. Sie hatten sich wie eine Familie zusammengefunden. Es waren Kleine und Große darunter. Sie lebten vom Betteln und Organisieren. Neue Klamotten besorgte Doktor bei der Caritas.
Für diesen Abend hatte er eine Weihnachtsfeier angeordnet.“
Doktor (Genoveva): "Das is' üblich in jedem Betrieb, und wir sind ja auch ein Betrieb. Auf dem Programm steht: Stille Nacht, heilige Nacht; Punsch, Fladenbrot mit Schafskäse; und 'ne Predigt."
Jenny (Yvonne) mit lauter Stimme: "Du hast wohl 'ne Meise. So'n Schwarzer Morales kommt hier nicht rein. Mit dem kommt dann gleich das Jugendamt mit, und jeder wird wieder in den Schoß seiner Familie zurückgeführt. Man freut sich, dass die Kinder wieder da sind, für einen Abend, und unterm Baum wird dann gelogen und geheuchelt, dass sich die Kerzen biegen. So'n Schwarzer? Nur über meine Leiche."
Doktor beschwichtigend: "Schon gut, schon gut, reg dich nicht auf. Weiß schon Bescheid. Bin ja auch nicht verrückt. Aber so 'ne Predigt muss schon sein. Schließlich ist Weihnachten."
Anna: „Für den Abend schien alles klar zu sein. Der Baum war organisiert. Edison hatte die StrGroßmamanschlüsse wieder hergestellt, Döner hatte Fladenbrot und Schafskäse "gefunden", wie er sich auszudrücken pflegte. Matze hatte von irgendwoher Rotwein mitgebracht und mixte den Punsch. Nur der Prediger fehlte noch.
Eine halbe Stunde vor Mitternacht verschwand Doktor. Zuerst fiel es keinem auf. Jeder hatte seine Aufgabe und achtete nicht darauf, was sonst um ihn herum vorging. Um Mitternacht öffnete sich wieder die Kellertür und Doktor erschien im Licht einer Taschenlampe. Unter dem Arm trug er etwas Schweres. Er hatte eine Decke darum gewickelt, so dass niemand sehen konnte, was er da mitbrachte.“
Jenny rief: "He, Doktor, wo bleibt der Prediger? Wir wollen anfangen."
Doktor: "Wer hat was vom Prediger gesagt? Auf dem Programm steht Predigt. Das mache ich selbst. Oder will es jemand von euch übernehmen?"
Matze (Hans-Peter): "Was is'n mit dir los, Doktor? Bist wohl bekehrt worden von der Heilsarmee?"
Anna: „Matze sah den Chef spöttisch an. Ihm war das alles hier nicht ganz geheuer, schließlich war er von daheim weggegangen, weil ihm der Kitsch und die Heuchelei auf die Nerven gegangen waren. Und jetzt hatte er dasselbe in grün.
Matze: "Doktor, fang bloß nicht an mit Frieden und so'm Schitt. Das geht uns hier nix an. Wenn du uns vollsulzen willst, biste hier auf'm falschen Schiff, kapiert?"
Doktor: "Kapiert! Könnt ihr das Lied?"
Anna: „Matze wechselte einen schnellen Blick mit Jenny, in deren Augen langsam der Spott der Neugier den Platz freimachte.
Jenny nickte und murmelte: "Na ja, so halbwegs."
Doktor: "Das langt, Hauptsache ein bisschen feierlich."
Anna: „Nach und nach kehrte Ruhe ein in den bunten Haufen. Der Baum stand hell erleuchtet in der Mitte. Im Halbkreis hatten sich die Jugendlichen auf Teppiche und alte Matratzen gesetzt. Etwas kläglich begannen sie dann mit dem uralten Weihnachtslied. Eine seltsame Ruhe stellte sich ein. Jedes Gesicht erzählte seine eigene Geschichte. Die Kleinen hatten sich in die erste Reihe gesetzt und ließen den Blick nicht vom Baum.“
Die gesamte Vorbereitungsgruppe von St. Quendolin hatte sich im Kreis um den Baum gesetzt. Im Kirchenraum war es mucksmäuschenstill.
Anna: „Doktor nahm den Gegenstand, den er mitgebracht hatte, und wickelte ihn aus. Ein großes, goldverziertes, schweres Buch kam zum Vorschein. Alle schauten ihm wie gebannt zu.
Doktor blickte grinsend in die Runde: "Eine freundliche Leihgabe aus dem Dom. An Weihnachten muss es schon 'ne richtige Bibel sein, meint ihr nicht auch? Ich kenn' mich nur nicht aus in dem Schmöker. Hab' keine Ahnung, wo ich anfangen soll."
Dino rief: "Na, bei der Weihnachtsgeschichte!"
Doktor: "Seite?"
Jenny stotterte: "Bei diesem Lukas, oder so."
Doktor: "Da kommen wir der Sache schon näher."
Anna: „Doktor blätterte eine Weile hin und her und schien dann das Richtige gefunden zu haben. Die Gesichter seiner Freunde wurden immer gespannter. Er begann zu lesen:
Doktor: "Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war. Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeder in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus dem Hause und Geschlechte Davids war, damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger. Und als sie dort waren, kam die Zeit, dass sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
Und es waren Hirten in derselben Gegend auf dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herden. Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:
Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren, sprachen die Hirten untereinander: Lasst uns nun gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen, die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat."
Doktor klappte das Buch mit einem lauten Geräusch zu und löste die Spannung bei seinen Zuhörern.
Doktor: „Und jetzt wird gefeiert!“
Jenny: „Und die Predigt?“
Doktor: „Ach so, die Predigt ... Ähm, Weihnachten ist für alle da. Weihnachten ist dazu da, dass wir als Freunde miteinander leben und ein Zuhause haben. Weihnachten bringt uns zwar keine Geschenke aber ein schönes Essen und einen leckeren Punsch. Amen“
Die Kinder um den Doktor herum lachten und zögernd begann der Applaus in der Kirche, der sich schließlich vereinheitlichte und ein schönes Dankeschön für die Gruppe war.
Ein leises Orgelspiel begann. Es hörte sich an wie fernes Glöckchenklingeln. Mit großer Behutsamkeit führte Stefan sein Vorspiel zum zentralen Weihnachtslied des Abends. Er zog sich immer wieder in Variationen zurück und baute eine Spannung auf, die nur darauf wartete, auf die Menschen überzuspringen. Die Besucher in der Kirche fanden ihre Melodiestimme und leise und zaghaft wurde das traditionelle Weihnachtslied intoniert. Stefan erhöhte die Lautstärke und die Gemeinde folgte seinem Beispiel. Es dauerte nicht lange und die Kirche war erfüllt von den Stimmen der Menschen, so dass von der Orgel fast nichts mehr zu hören war. Obwohl es eigentlich anders geplant war, spielte Stefan alle vier Strophen des Liedes und ließ die Gemeinde, die so lange still sein musste, singen. Nach dem letzten Vers wechselte er zu „Sound of Silence“ und variierte wieder zu „Stille Nacht“. Und wieder begannen die Menschen zu singen. Pater Andreas improvisierte ebenfalls, schickte die Schauspieler und Helfer in den Kirchenraum und in kürzester Zeit waren die Kerzen, die er eigens bestellt hatte, verteilt. Nach weiteren zehn Minuten war die Kirche taghell erleuchtet.
Pater Andreas stieg auf die Kanzel: „Liebe Gemeinde, ich werde keine Predigt halten. Sie alle haben erlebt, was diese junge Menschen für uns getan haben. Sie haben in vielen Stunden und mit viel Engagement an dieser Aufführung gearbeitet. Sie haben es getan, weil die Frohe Botschaft aus lebendigen Wörtern besteht. Sie, die Wörter, sind bei Ihnen angekommen und so wollen wir nach dem O du fröhliche den Segen sprechen und uns eine Frohe Weihnacht wünschen.“
Er begab sich vor den Altar. Carolin scheuchte ihre jungen Sängerinnen und Sänger zu ihm und sie stellten sich auf. Zweistimmig sangen sie die erste Strophe. Die Gemeinde folgte mit der zweiten. Pater Andreas sprach den Segen und nach und nach verließen die Menschen die Kirche.
Die Vorbereitungsgruppe war in der Sakristei verschwunden, um Mäntel und Jacken anzuziehen. Carolin, die den Kindern in ihre Jacken half, wandte sich an Pater Andreas: „Vielen Dank, dass Sie so etwas ermöglicht haben. Ich, meine Familie und ich möchten Sie gern mit nach Hause nehmen. Wir möchten nicht, dass Sie jetzt allein in Ihr Pfarrhaus gehen und Ihre Mikrowelle anwerfen. Daniel hat einen hervorragenden Rotwein warm gestellt. Stefan und Frieda kommen auch, und für Sie gibt es eigentlich keine Ausrede. Bitte!“
Pater Andreas nickte stumm. Seine Stimme zitterte leicht, als er sagte: „Ich komme gern mit, Frau Korbian. Ich muss nur noch meine Kutte ausziehen. Vielen Dank für die Einladung. Warten Sie vor der Kirche auf mich?“
„Ja, natürlich. Wir müssen ja auch noch die Kerzen alle löschen, damit es hier kein Unglück gibt.“ Sie berührte Pater Andreas leicht am Arm und verließ mit ihren Töchtern die Sakristei. Draußen waren schon Daniel, Frieda und Stefan dabei, die Kerzen auszublasen.
„Frohe Weihnachten, meine Mädels“, sagte Daniel und nahm alle drei gleichzeitig in die Arme. Anna drückte sich dann fest an Frieda und wünschte ihr ein frohes Fest. Dann stand sie vor Stefan. Der lachte sie nur an, legte seine Hände um ihre Taille und sagte: „Ich glaube, du bist mein schönstes Weihnachtsgeschenk. Frohe Weihnacht!“ Anna wurde dunkelrot und drückte ihr Gesicht an seine Schulter. „Frohe Weihnacht, Stefan und danke schön!“