Pater Andreas hatte Anna gebeten, am Vormittag bei ihm vorbeizuschauen. Bevor sie sich auf den Weg zum Pfarrhaus machte, besuchte sie die Schreinerei, in der eifrig gearbeitet wurde. Die beiden Gesellen packten kräftig mit an und Bertold war die Peinlichkeit immer noch ins Gesicht geschrieben. Dennoch hatten er und Genoveva Frieden geschlossen. Er hatte gute Ideen, und so wurde manches noch geändert. Er meinte:
„Es wäre sinnvoll, bestimmte Teile der U-Bahn oder der Hausfronten so zu gestalten, dass ihr sie nächstes Jahr für eine andere Kulisse verwenden könnt.“ Und so wurde getüftelt, gemessen und mit großer Sorgfalt gearbeitet. Genoveva und Die vier Jungen, die ihr halfen, waren in ihrem Element.
Anna war begeistert von den Fortschritten, die hier gemacht wurden: „Kriegt ihr das vielleicht bis Freitag fertig?“ fragte sie Bertold.
„Klar, ist ‚ne Kleinigkeit für uns!“ antwortete Bertold, „Beim zweiten Mal geht alles viel schneller.“ Er warf Genoveva einen schnellen Blick zu. Diese hatte jedoch gerade den Bandschleifer angeschaltet und schmirgelte die Sägekanten glatt.
„Ok, ich geh mal weiter. Bis Freitag dann. Helfen Sie uns noch, die gesamte Pro-duktion am Freitagmorgen ins Pfarrhaus zu schaffen?“
„Ich habe schon den LKW reserviert. Am Montag komme ich auch vorbei und fahre die Sachen in die Kirche. Und am Donnerstag danach habe ich auch ein Stündchen Zeit, alles wieder wegzuschaffen.“
„Aber nicht ins Sägewerk“, lachte Anna und verließ mit Astra die muntere Gruppe.
Pater Andreas hatte den Schnapper der Haustür gelöst, so dass Anna ohne zu klingeln ins Pfarrhaus konnte. Sie hörte, dass er im oberen Büro telefonierte. Mit einem Fensterleder, das sie immer dabei hatte, trocknete sie Astras Fell und ihre Pfoten. Dann betrat sie die Küche und musste unwillkürlich lachen. Es sah so aus, als hätte sie hier nie aufgeräumt und geputzt. Anna schaltete den Wasserkocher ein und suchte im Schrank nach einem Kräutertee. Die Kanne stand mitten auf der Spüle, sozusagen zur dauernden Verwendung.
Nachdem sie den Tee aufgebrüht hatte, lauschte sie ins Treppenhaus. Von dort war nichts zu hören und sie rief nach Andreas.
„Komme gleich, muss nur ein paar Termine eintragen“, war seine Antwort.
Fünf Minuten später stand er in der Küchentür und wurde von Astra schwanzwe-delnd begrüßt.
„Hallo Anna, schön dass du da bist – und einen Tee hast du auch schon gekocht?“
Er holte zwei große Tassen aus dem Schrank und schob die Zeitungen beiseite. Dann stutzte er: „Hm, ich weiß, Anna, das sieht hier so aus, als hättest du nie auf-geräumt. Aber immer dann, wenn ich das hier mal anpacken will, klingelt das Telefon oder ich muss ein paar Kinder aus einem Stollen retten oder ich sehe es einfach nicht. Tut mir leid.“
„“Ich versteh das schon, Andreas. Zu Hause sind wir zu viert und da guckt jeder, dass es ordentlich aussieht. Seitdem Astra da ist, hängen wir mit allem ein bisschen hinterher. Ich bin keine Putzfanatikerin. Aber, wenn du willst, kann ich mit Sina vor Weihnachten Hausputz machen.“
„Das würdet ihr für mich tun? Ich komme vor dem Fest nicht dazu, hier Ordnung zu machen, und meine achtzigjährige Mutter hat ihren Besuch für den zweiten Feiertag angekündigt.“
„Dann machen wir das am Montagmorgen!“
„An Heilig Abend?“
„Ja, da sind die Chancen relativ groß, dass am Mittwoch noch zu sehen ist, dass hier aufgeräumt wurde“, lachte Anna frech.
Pater Andreas lachte mit und schenkte Tee ein. „Wie geht es denn voran in der Werkstatt?“
„Super, sie sind bis Freitag fertig und Bertold fährt alles hierher und dann am Montag in die Kirche und am Donnerstag wieder zurück in die Werkstatt.“
„Na, uns konnte doch gar nichts Besseres passieren, als dass er Brennholz aus den Kulissen gemacht hat. So einen Helfer kann man immer gut gebrauchen.“
„Ich glaube, Genoveva lernt sehr viel bei ihm. Er hat viel Geduld und gute Ideen.“
„Schön, dieses Dorf beginnt langsam, lebendig zu werden. So viele Aktionen in Gemeinschaft wie in den letzten Tagen gab es in den letzten vier Jahren nicht.“
„Ich finde das alles ganz toll hier bei uns. Da ist nicht einmal das Krippenspiel das Wichtigste, für die Kinder natürlich schon, aber ansonsten ist es ein klein wenig der Motor für unsere Gemeinde.“
„Und angefangen hat es mit einem Orgelspiel. Stefan übt jeden Abend in der Kir-che, obwohl er das gar nicht nötig hat.“ Pater Andreas rührte in seiner Tasse her-um.
„Anna, ich freue mich, dass ihr alle zusammengefunden habt. Ich weiß, das wird ein schöner Abend in unserer Kirche.“
„Das glaube ich auch, Andreas. Ich gehe jetzt wieder nach Hause. Mama hat einen Lebkuchenteig angesetzt, der muss in den Ofen.“
„Also, dann bis zum Freitag. Am Samstag sollten wir vielleicht eine kleine Generalprobe in der Kirche machen?“
„Dann müssten da aber schon die Kulissen dorthin. Ich denke, es ist besser, wir machen das am Montag. Da sind alle froh, wenn die Kinder nicht daheim rumnerven, und es besteht die Chance, dass alle ihre Texte können. Mama will auch am Montag mit den Kleinen in der Kirche üben.“
Andreas stimmte zu und die beiden verabschiedeten sich herzlich.